Fragenliste für die Alkohol-MPU

Eine sortierte Übersicht typischer Frage-Richtungen für die Alkohol-MPU — zum ehrlichen Vorbereiten der eigenen Geschichte, nicht zum Auswendiglernen.

Wofür diese Liste gut ist — und wofür nicht

Im psychologischen Gespräch der Alkohol-MPU (in der Regel etwa 45 bis 60 Minuten) gibt es keinen festen Fragenkatalog. Der Verkehrspsychologe fragt individuell — entlang deiner Akte, deines Promillewerts und deiner Vorgeschichte. Trotzdem folgen die Fragen einer erkennbaren Logik: Sie sollen klären, ob du dein früheres Trinken verstanden hast und ob die Veränderung seitdem stabil und glaubwürdig ist.

Genau diese Logik bildet die folgende Liste ab. Sie nennt zu jeder Fragerichtung den Zweck und den typischen Antwortfehler — aber bewusst keine Musterantworten. Die Antworten müssen aus deinem realen Fall kommen, sonst tragen sie nicht.

So nutzt du die Liste: als Sortierhilfe, nicht als Spickzettel. Geh die Punkte durch und beantworte sie für dich selbst — ehrlich, mit konkreten Beispielen und widerspruchsfrei zur Aktenlage. Ziel ist, dass du deine eigene Geschichte ruhig in eigenen Worten erzählen kannst.

1. Trinkverhalten — der ehrliche Blick zurück

Hier geht es um den realen früheren Konsum: wie viel, wie oft, in welchen Situationen. Der Bezug zum Anlass ist wichtig — bei einer Trunkenheitsfahrt ab 1,6 ‰ wird in der Regel eine MPU angeordnet (auch bei Ersttätern), ab 1,1 ‰ liegt absolute Fahruntüchtigkeit vor (§ 316 StGB).

  • Wie sah dein Alkoholkonsum in den Monaten vor dem Anlass tatsächlich aus?
  • In welchen Situationen, mit welcher Funktion hast du getrunken?
  • Wie passt deine Schilderung zum festgestellten Promillewert?

Zweck: ehrliche Selbsteinschätzung. · Typischer Fehler: verharmlosen. Wer die Mengen herunterspielt oder „das war eine Ausnahme" sagt, gerät schnell in Widerspruch zur Aktenlage und verliert an Glaubwürdigkeit.

2. Ursachen — warum kam es dazu?

Der Gutachter will verstehen, was hinter dem problematischen Konsum stand. Eine bloße Aufzählung von Pech reicht nicht; gefragt ist eine nachvollziehbare Einordnung der eigenen Auslöser und Muster.

  • Was waren die echten Auslöser — Stress, Gewohnheit, soziales Umfeld, Belastung?
  • Wann ist aus „normalem" Trinken ein Problem geworden?
  • Was hast du damals nicht erkannt, was du heute anders siehst?

Zweck: Einsicht. · Typischer Fehler: Schuld abgeben. „Die Polizei hatte es auf mich abgesehen" oder „andere trinken mehr" zeigt keine Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten — und genau die wird geprüft.

3. Veränderung — was ist heute konkret anders?

Dieser Block ist das Herzstück. Es geht nicht um gute Vorsätze, sondern um eine nachweisbare, im Alltag verankerte Veränderung — und darum, wie stabil sie ist.

  • Was hat sich seit dem Anlass konkret in deinem Alltag geändert?
  • Woran merkst du selbst, dass die Veränderung trägt?
  • Wie lange hält dieser Zustand schon an — und was belegt das?

Zweck: Stabilität. · Typischer Fehler: nur Absichten. „Ich werde in Zukunft aufpassen" ist kein Beleg. Tragfähig sind konkrete, bereits gelebte Änderungen, die du an realen Situationen festmachen kannst.

4. Abstinenz oder kontrolliertes Trinken — passt der Weg zum Fall?

Eine der häufigsten und heikelsten Fragerichtungen. Welcher Weg plausibel ist, hängt von der fachlichen Einordnung deines Konsummusters ab — eine pauschale Antwort gibt es nicht.

EinordnungPlausibler WegNachweis (Richtwert)
Alkoholabhängigkeitdauerhafte Abstinenzi. d. R. 12 Monate, lückenlos
Missbrauch ohne AbhängigkeitAbstinenz oder kontrolliertes Trinkeni. d. R. 6 Monate bei Abstinenz

Abstinenz wird forensisch belegt — über EtG-Urinscreening (typisch 4 Kontrollen in 6 Monaten oder 6 in 12 Monaten, zufällige, kurzfristige Einbestellung) oder EtG-Haaranalyse (ca. 1 cm Haar ≈ 1 Monat Rückblick, meist 3–6 cm). CDT dient als Marker für chronisch erhöhten Konsum. Nachweise müssen nach dem CTU-Standard der Beurteilungskriterien (BASt) geführt sein.

  • Ist in deinem Fall Abstinenz nötig — oder ist kontrolliertes Trinken plausibel?
  • Falls kontrolliertes Trinken: Welcher stabile, glaubhafte Kontrollmechanismus trägt das?
  • Beginnst du den Nachweis rechtzeitig, mit Vorlaufzeit ab Start?

Zweck: Plausibilität. · Typischer Fehler: der Weg passt nicht zur Vorgeschichte. Wer bei klaren Abhängigkeitshinweisen kontrolliertes Trinken behauptet, wirkt unglaubwürdig — und umgekehrt sollte der gewählte Weg zur eigenen Geschichte passen.

5. Rückfallvermeidung — wie sicher ist deine Strategie?

Zum Schluss prüft der Gutachter, wie du mit Risikosituationen umgehst. Gefragt ist eine konkrete, im Alltag erprobte Strategie — nicht der gute Wille allein.

  • Welche Situationen sind für dich riskant (Feiern, Stress, Rückschläge)?
  • Was genau tust du in diesen Situationen — Schritt für Schritt?
  • Was hat sich an deinem Umfeld und deinen Routinen geändert, damit es trägt?

Zweck: tragfähige Strategie. · Typischer Fehler: keine konkrete Strategie. „Ich passe einfach besser auf" ist kein Plan. Glaubwürdig wird es, wenn du benennen kannst, was du in einer realen Risikosituation konkret tust.

Diese Liste dient zum Sortieren, nicht zum Auswendiglernen. Sie hilft dir, deine eigene Geschichte, deine Veränderung und deine Strategie zu ordnen. Es gibt keine „Antwort, die der Gutachter hören will" und keine Tricks — eingeübte Floskeln erkennt der Psychologe schnell und sie wirken unglaubwürdig. Was trägt, ist ehrliche Selbstreflexion und eine konkrete, belegbare Veränderung.

Häufige Fragen

Wie nutze ich eine Fragenliste für die Alkohol-MPU richtig?

Als Sortierhilfe für die eigene Geschichte — nicht als Spickzettel. Geh die Fragerichtungen durch und beantworte sie für deinen realen Fall: ehrlich, mit konkreten Beispielen und passend zur Aktenlage. Ziel ist, dass du deine eigene Veränderung verstanden hast und ruhig in eigenen Worten erzählen kannst. Auswendig gelernte Sätze erkennen Gutachter schnell und sie wirken unglaubwürdig.

Gibt es eine offizielle Fragenliste mit Musterantworten?

Nein. Es gibt keine festen Fragenkataloge und keine richtigen Musterantworten. Der Verkehrspsychologe stellt die Fragen individuell entlang deiner Akte und deines Anlasses. Eine Liste kann nur die typischen Richtungen zeigen, in die gefragt wird — die Antworten müssen aus deinem eigenen Fall kommen.

Welche Themenblöcke deckt die Fragenliste ab?

Fünf Blöcke: das frühere Trinkverhalten, die Ursachen des problematischen Konsums, die konkrete Veränderung, die Wahl zwischen Abstinenz und kontrolliertem Trinken sowie die Strategie zur Rückfallvermeidung. Diese Reihenfolge entspricht in etwa dem roten Faden des psychologischen Gesprächs (ca. 45 bis 60 Minuten).

Quellen & weiterführende Stellen

Zuletzt geprüft am 16. Juli 2026.